Kleine Vorstellung

.. und wenn man irgendwo neu ist, dann stellt man sich auch vor. 🙂

ich gehöre zu den vertriebenen von Blog.de. Dort habe ich über Jahre gebloggt –
bis uns alle die Nachricht überraschte, dass die Plattform Ende diesen Jahres schließt.

Jetzt starte ich also neu – die alten Texte zwar mit im Gepäck. Aber wenn man selber
das mal so überfliegt, dann bekomme ich selbst das Gefühle, dass es auch irgendwo
Zeit für einen Neuanfang war.  Und dass ich mich teilweise damit gar nicht mehr
identifizieren kann.

Mein Leben war bisher eine Achterbahnfahrt. Und ganz viele Menschen von
Blog.de haben das in den letzten Jahren mitverfolgt und mich begleitet – manchmal in
tiefe Täler – aus denen ich nur schleppend wieder herausfand.

Es ist so viel passiert  und ich musste soviel lernen. Und ich hoffe, dass ich meine
Lektionen jetzt geschluckt habe und dass das für mich wirklich ein Neuanfang ist. 🙂

Angefangen mit meiner Scheidung, einer neuen Liebe, zwei Fehlgeburten in den
vergangen Jahren, der Entdeckung meiner Leidenschaft für BDSM, S/M und
dominant/devotem Sex, meine unzähligen Therapien ambulant und stationär.

Diagnose Borderline, Essstörungen, Anpassungsstörungen,
soziale Phobie, Dysthymie – alles umfassend eine sogenannte
„Emotional instabile Persönlichkeitsstörung“.

Phasen, denen ich dem Alkohol verfiel oder einer anders gearteten obsessiven
Leidenschaft. Eigentlich nur „auf der Suche“ nach der Mitte. Oder nach Antworten,
danach – aus diesem ganzen Psychomist endlich zu entkommen und ein normales
Leben führen zu können.

Meist ungewollt. Ich hatte für mich manchmal den Eindruck, ich rutsch einfach
so in die Dinge rein. Kaputte Beziehungen – zu Suchtmenschen – Psychopathen oder
zuletzt zu einem gebunden Mann. Jedenfalls niemals erfolgversprechend.

Mittlerweile sehe ich das Leben als einzig riesigen Lernprozess, indem wir alle
– der eine mehr, der andere weniger – seine Lektionen lernen muss. Wer es nicht
tut – wer stehen bleibt – bleibt auf der Strecke.

Ich wollte diesen Blog überschreiben mit: Mein Leben mit Borderline, aber das
ist nicht mehr richtig. Fast würde ich schon lieber schreiben: mein leben nach Borderline.

Aber auch das stimmt so nicht. Ich weise heute und nach Jahren der Therapie nicht
mehr die erforderlichen Diagnosekriterien auf. Letztendlich bleib ich aber „emotional
instabil“.

Damit ich nicht so angreifbar bin – und nicht so leicht aus der Bahn geworfen
werde – bin ich auf Tabletten eingestellt. Das heißt, die Gefahr, dass es wieder
kippen könnte, ist da. Ich bin in einem Notfallprogramm der Krankenkasse,
dass mich in solchen Schüben – auffängt.

Das gibt mir eine gewisse Sicherheit. Auch, dass ich immer besser lerne, die Krisen
alleine und ohne Klinik und ohne Suchtmittel zu bewältigen. Auch das hat mir
sehr viel Selbstvertrauen gegeben in den letzten Jahren. Ich spüre eine enorme
Veränderung, zwischen der Person, die ich mal war und der, die ich heute bin.

Ich weiß  heute, wer ich bin und ich komme mit mir klar (und das ist für einen
Borderliner eine erstaunliche Aussage 😉 ) – ich weiß, wo meine Gefahren lauern
und was  ich für mich tun und lassen sollte. ich versuche immer mehr auf
meine Gefühle und meinen Instinkt zu hören.

Und wer sich jetzt fragt, was die Bilder hier am Rand sollen? Die gehören zu mir.
Und zu all meinen Phasen.  Willkommen auf meinem neuen Blog.

outing2

25 Antworten zu “Kleine Vorstellung

  1. Danke für den Abriss. Noch wer, der schon alles durch hat… Ganz ehrlich? Solche Menschen sind mir mittlerweile wesentlich lieber als die, denen meist alles in den Schoß fällt. Bei *uns* brauch ich wenigstens nich lang erklären; Geplagte verstehn sich gegenseitig einfach^^.

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    • Das stimmt allerdings. Nicht nur, was das Verständnis dafür angeht, auch die Toleranz. Solche Menschen denken in der Regel mehr über die Dinge nach. Sind weniger oberflächlich. Ja – und das mag ich auch viel lieber. 🙂

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  2. Danke für deine Vorstellung…Deine Seite ist mir bei Blog.de auch schon aufgefallen…Weiss gar nicht,ob ich je bei dir gelesen habe…Aber durch den Neuanfang lernt man neue Leute kennen,was ich gut finde…Danke für die tollen Tipps die den Umzug betreffen…Du hast mir und mit Sicherheit vielen anderen sehr geholfen und tust es ja immer noch… 😀

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    • War dir bestimmt zu duster der Blog. 😀 – bin jetzt ein bisschen heller geworden. 😉
      Ja ich hab gerne geholfen. Ich werd aber jetzt die Hilfethemen soweit abhaken. Wer Schwierigkeiten hat fragt einfach, okay?

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      • Keine Ahnung,kann nicht sagen woran es lag…
        Du hast ja auch schon genug darüber gebloggt,da muss dann ja auch mal *abgehakt* werden.Man kann es doch nachlesen… 😉

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    • Dankeschön. 🙂 Dann wollen wir mal hoffen, dass ich auch damit richtig liege.
      Noch mal so 8 Jahre – oder die Jahre davor waren ja mitunter noch viel schlimmer,
      da hab ich nur noch nicht gebloggt, möchte ich jetzt eigentlich nicht mehr vor mir
      wissen. 🙂

      Gefällt 1 Person

      • ja, mal hoffen. aber ich denke schon, dass du richtig liegst, bzw. auf dem richtigen weg bist 😉
        du arbeitest ja schon so lange an dir und je besser man sich kennt, umso schneller erkennt man die veränderungen an sich und umso eher kann man handeln 🙂

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        • Stimmt – und ich kann ja momentan behaupten, dass ich in ähnlicher Situation wie heute – schon alles ganz anders mache, wie noch vor 2 Jahren. 🙂 Besser – für mich gesünder. Also da hat sich schon sehr viel getan. Aber….. ich würde das nie beschwören, dass das sich nicht wieder ändern könnte. 😦 Man weiß es eben nicht.

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  3. ja, mal hoffen. aber ich denke schon, dass du richtig liegst, bzw. auf dem richtigen weg bist 😉
    du arbeitest ja schon so lange an dir und je besser man sich kennt, umso schneller erkennt man die veränderungen an sich und umso eher kann man handeln 🙂

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  4. Ich finde Deine kleine Vorstellung hier sehr schön. Nicht das, was du alles durchlebt hast, nein das was du schon alles geschafft hast ist einfach Klasse. Ich hab zwar mit der Krankheit Borderline überhaupt keine Verbindung aber ich habe halt auch einen sehr kranken Sohn mit einer psychischen Krankheit, der kämpft und über jeden kleinen Fortschritt dankbar ist. Deshalb kann ich auch die Bilder an der Seite einigermaßen verstehen.
    Ich jedenfalls bin froh das es dich gibt und das du hier bist.

    PS: ich send dir mal im alten Blog eine PN

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    • Gerne 🙂 und danke für den netten Kommentar. Und auch als Angehöriger meinen Respekt – ich weiß auch, dass das verdammt schwer ist und man sich ohne Ende Sorgen macht oder auch Fehler bei sich sucht. Ja – und was das für Kämpfe sind, kann sich manch einer nicht vorstellen. Ich bin gespannt auf deine PN. Schöne Grüße

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  5. Eine sympathische Vorstellung, dankeschön! Ich kenne Therapien auch aus eigener Erfahrung, vonbeiden Seiten. Als Krankenschwester auf einer psychiatrischen Station wie auch als Patientin danach. Das bloggen hat mir damals sehr geholfen und während meiner Krebsdiagnose waren einige Bloggerinnen mir am nächsten. Von dem was Du heute schreibst, entnehme ich, dass es Dir gutgeht und das freut mich sehr. Es war mit Sicherheit ein sehr schwieriger, schmerzhafter Weg, aber Du sagst: Heute komme ich mit mir klar, und DAS ist richtig gut!

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    • Oh ja – therapeutisches Schreiben sozusagen – das war es bei mir auch.
      Ins Internet fand ich nach meiner ersten stationären Therapie. Ich war damals
      wegen Aggressionsproblemeen und einer ziemlich üblen Eßstörung in Behandlung.

      Ich hab es einigermaßen geschafft – in zwei Monaten zumindest die „grobe Eßstörung“ zu bekämpfen. An der Stelle entstand aber ein Loch. Das kennst du vielleicht. 🙂
      Ich habe das Loch mit Internetaktivitäten gefüllt. Damals hatte ich eine eigene
      Homepage über Borderline – hatte einen Kummerkasten – eine Webring zum
      Thema Eßstörungen – und hatte innerhalb kürzester Zeit ein riesen Publikum,
      dass auch diese Dienste nutzte. Mein Briefkasten quoll über und ich hab mich
      mehr oder weniger dort „übernommen“. So dass ich – ich glaube nach einem
      Jahr einfach auch dort „abspringen“ musste. Ich kam mit den ganzen Nachfragen
      und KOntakten nicht mehr nach. Und es wurde zu stress.

      Aber es hat mir geholfen in der Zeit – wo ich für die Eßstörung“ irgendwie einen
      Ersatz finden musste.

      Auch heute sehe ich das Schreiben noch als therapeutisch an. Meine Therapeutin
      weiß auch, dass ich blogge – und sie befürwortet das auch. Sie findet das gut.

      Und ich? Ja – ich auch… und wenn man dann so sieht, dass man wirklich liebe Kontakte auch darüber gefunden hat – eben auch in RL – dann ist das doch noch besser. 🙂

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