Auf der Suche nach – dem, was MEINs ist

das war das Motto der heutigen Therapiestunde.

Auf der Suche nach
-einer passenden Lebensform
-dem, was ich brauche und was ich nicht brauche
-einem Raum, in dem ich mich selbst verwirklichen kann
und mich stabil fühlen kann.

Und zwar weg von allem, was man als konventionell ansieht,
weil mir in letzter Zeit immer häufiger der Gedanke kam, dass
das vielleicht gar nicht das ist, was ICH benötige.

Normalerweise sagt man bei Vorliegen einer Borderline-Persönlichkeits-
Störung, dass diese Menschen aufgrund einer „Ich-Fragment-Störung“
andere Menschen brauchen um sich zu spiegeln und wahrzunehmen.
Ohne einen gegenüber – wie z.B. den Partner fühlen sie sich deshalb
leer und lösen sich auf.

ich habe in den letzten Monaten aber eine ganz andere Empfindung
gewonnen. Das Gegenteil traf bei mir zu. So formulierte ich heute in
der Therapiestunde, mein Erleben:

In einer Beziehung löse ich mich auf. Ich verschwinde. Ich verliere mich
im anderen …. Außerhalb einer Beziehung, finde ich wieder zu mir selbst
und erobere mir meinen Raum wieder zurück. Ich bekomme wieder Struktur
und gewinne wieder an Form.

Und das bewirkt, dass ich mich besser fühle. Unabhängig von den
schwierigen Beziehungen und Partnern, die ich in den letzten Jahren hatte
(das kommt zwar noch erschwerend dazu) – sehe ich diese Problematik
grundsätzlich bei mir.

Deshalb wähle ich mittlerweile eigentlich zu allen Bekannten, Freunden,
der Familie eher einen distanzierten Kontakt. Und auch wenn ich mich
hin und wieder frage, ob das okay ist – oder nicht eine Art sozialer Rückzug ist,
kommt bei mir immer mehr das Gefühl auf… SO IST ES FÜR MICH richtig.

Ich such Kontakt in dem Rahmen, wie es mir gut tut. Ich nehme Kontakt
zu Menschen auf, die ich ganz stark selektiere darin, ob sie mir gut tun
oder nicht. In allen Kontakten bleibe ich distanziert. So wahre und schütze
ich meine Persönlichkeit.

Ihr kennt sicherlich das Gefühl, dass euch Menschen zu nahe kommen.
Man spürt es schon körperlich, wenn ein Mensch mit dir ein Gespräch
beginnt und er sich „zu dicht“ zu dir stellt. Ich finde das unerträglich –
da bricht schon jemand meine natürliche Distanzgrenze auf, ohne, dass
ich ihm das überhaupt gestattet hätte. Er missachtet meine Grenze.

Die natürliche Reaktion ist – ich trete einen Schritt zurück. Wenn er
allerdings ein Brett vor m Kopf hat – und gar nicht mitkriegt, was da
passiert, wird so ein Mensch wieder automatisch einen Schritt in deinen
Raum hinein machen.

Das sind Menschen, die brauche ich nicht. Die kann ich nicht gebrauchen.

Von daher hab ich mich dann heute noch mal nach der Therapie-
Stunde mit der Bedürfnispyramide nach Maslow beschäftigt.

maslow

Ich hab mir die einzelnen Bedürfnisse angeschaut und mich gefragt, wie
gut, habe ich sie abgedeckt. Wo fehlt etwas – wo benötige ich z.B. weniger
und wäre damit völlig zufrieden, während andere da zum Beispiel ein
höheres Bedürfnis verspüren. 

Dann – auf mein heutiges Gefühl bezogen, wurde mir bewusst, dass
ich all das, was ich versucht habe in den letzten Jahren bei anderen
zu finden, im Grunde in mir selbst gefunden habe. ICH bin es, der 
mir Sicherheit gibt. ICH schätze mich WERT, und mache mich nicht
mehr Abhängig von der Wertschätzung anderer. Ich befriedige meine
sozialen Bedürfnisse genau in dem Maß, wie ich es als angenehm
empfinde mit den Menschen, die ich mir mit Bedacht ausgesucht habe. 
Ich beende Kontakte, die mir nicht gut tun. Und ich halte und wahre
die Distanz, die ich für richtig befinde. Ich hab vertrauen in mich selbst. 

Nicht das Vertrauen, dass ich völlig kuriert bin – oder nie wieder abstürzen
würde. Das wär unrealistisch – aber das Vertrauen, dass ich mich wieder
selbst da raus ziehen werde – egal, wie lange es dauert. 

Andererseits sehe ich natürlich das riesen Defizit bei mir, dass dieser
gestärkte ICH-Zustand – wieder in sich zusammenbrechen könnte; wenn
ich wieder in einer Beziehung bin. :-/ 

Momentan reicht mir aber erst Mal, das was ich geschafft habe. 
Damit werde ich mich auseinander setzen, wenn es soweit ist. 

Und dass mein Gefühl zur Zeit richtig ist und dass ich auf einem guten
Weg bin, darin bestärkt mich noch folgernder Satz:

Die Wachstumsbedürfnisse, wie also z. B. das Streben nach Selbstverwirklichung, treten erst dann in den Vordergrund, wenn die Defizitbedürfnisse erfüllt sind. Durch sie erfolgt schließlich die Verstärkung der eigenen Individualität.

Für interessierte Leser findet ihr auf Seite 2 eine kurze Erklärung der Maslow´schen
Bedürfnispyramide

13 Antworten zu “Auf der Suche nach – dem, was MEINs ist

    • Ich finde das auch spannend… ich glaube deswegen hab ich auch immer gerne an mir gearbeitet. 🙂 Und wenn sich dadurch die Lebensqualität verbessert, dann freut man sich um so mehr.

      Der „richtige Mann“ würde es mit Sicherheit erleichtern, aber ich denke das Probleme wäre nach wie vor vorhanden. Was mich jetzt aber nicht kümmern soll. Man kann daran nur arbeiten, wenn man in der Situation ist – und wenn es nach mir geht… kann das echt noch ne Weile warten. 😉

      Gefällt 1 Person

    • Stimmt. Das ist auch meine Kernaussage. 🙂 Es gehrt wirklich nur darum, was ist für mich richtig. Das muss für andere nicht das selbe sein, jeder muss im Grunde bei sich schauen – inwieweit er seine Bedürfnispyramide befriedigt weiß.

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  1. Ich habe gelernt, in der. Therapie, dass jeder mENSCH auf seinen Stern lebt. Nur wenn es mir gut geht, kann ich anderen Gutes tun/geben? Steht schon in der Bibel:Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Wenn es mir zuviel wird zieh ich mich zurück. Wenn ich Spannungen merke, spreche ich sie nach Tiefen Durchatmen an.Explodieren und ellenlosen Streit….ich mag es nicht mehr.

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  2. Ich finde du hast deine Bedürfnislage gut im Griff, nach dem Motto `Ich schreibe, also bin ich. Ich werde gelesen, also bin ich nicht allein.´ Kann ich gut nachvollziehen.
    Abgrenzung ist immer wichtig und wenn`s mal ganz bergab geht, kann es soweit kommen, dass man sehr viel Geduld haben muss. Denn `wer Geduld hat, kann alles überstehen´, hat mal jemand gesagt.
    Außerdem: `Es gibt nichts Gutes außer man/Frau tut es´.
    Also, weiter so und immer schön locker bleiben und schreiben.
    L. G. an alle
    Pete J. Probe

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    • Danke dir. Das Internet ist ein wunderbarer „Distanzhalter“.
      Und deckt auch ein gewisses soziales Bedürfnis. 🙂 Kann die persönlichen Kontakte aber niemals real vollständig ersetzen. Soll es ja auch nicht.

      Aber natürlich bringt mir das Schreiben und der Austausch was.
      Früher vielleicht sogar noch mehr – als ich mir bei allem doch recht
      unsicher war – und im Grunde noch, andere benötigt habe, um mir ein Feedback zu holen bzw. einfach um zu fragen: Ist das normal? Oder ist das Unnormal? (oder krank?) Naja – aber auch das kann ich mir
      mittlerweile selbst beantworten – aber es ist natürlich schöner,
      wenn man sich noch miteinander austauscht. 🙂 Danke fürs lesen und kommentieren. Jooo – ich denke – ich werde sicher noch eine Weile
      bloggen. Sieht ganz so aus. 🙂

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  3. Der wichtigste Mensch in Deinem Leben bist DU. Ich fühle sehr mit Dir, habe gerade meine 3 Therapie abgeschlossen. Die Verantwortung für sein Leben übernehmen bedeutet zuerst, erkennen, was man braucht (Bedürfnisse also) und was nicht. Also wie, wann und womit oder wem es einem gut geht und wie, wann oder womit nicht. Erst dann kann eine „Komfortzone“ entstehen.

    Ja, LEBEN ist spannend, denn es heißt lernen, bis wir wieder gehen. Und es ist großartig Fortschritte erleben zu dürfen, sich selbst zu entdecken, die Facetten der eigenen Seele und des Seins. Du bist definitiv auf dem richtigen Weg ❤

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    • Das Gefühl hab ich auch. Ich hab ja Vergleichsmöglichkeiten. 😉
      Und da seh ich einfach – in der selben Situation – vor nicht all
      zu langer Zeit war es anders /schlechter – da habe ich zu „ungünstigeren“ Strategien gegriffen. 🙂

      Ich kann auch jedem nur empfehlen eine Therapie zu machen.
      Es gab wahnsinnige Erlebnisse, Schlüsselerlebnisse, den AHA-
      Effekt. Der Moment in dem der Knoten platzt (na gut – sagen wir
      ein knoten von vielen ^^ ) – vor allem Stationär passierte so viel.
      Ja das ist wirklich irre. Das erkärt auch meinen Vorliebe für die
      Psychologie. Und alles ist auch „logisch“ – erklärbar… man muss
      nur erst drauf kommen.

      Gefällt 1 Person

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