Märchen von Bedeutung

Wenn man einmal wieder anfängt zu schreiben, also mir geht es
so, dann fallen mir wieder zig Themen ein – oft auch schon aus den
anderen Beiträgen angeregt – wie zum Beispiel in diesem Fall.

Und zwar hat mich eine Frage aus den „liebster Award“ Nominierungen
beschäftigt von alleinsein1974. … die da lautete:
Den Charakter welcher Märchenfigur hast du in etwa.

Ich hoffe, ich darf das sagen, 😉  aber ich fand die Frage sehr schwierig und
merkwürdig und mir fiel dazu „gar nichts“ ein. Den Charakter einer
Märchenfigur? Keinen…. war so die erste Spontan-Antwort.

Erst während des weiteren Kommentarverlaufs sagte sie:
„Wusstest du, dass die Märchen an die wir uns erinnern auch was
mir unserer Seele zu tun haben?“

Und während ich dann so antwortete – dass ich sehr viele Märchen
kenne – dass wir immer viel Märchen gelesen und auch per
Schallplatte gehört haben…. kam mir dann doch eine spontane
Antwort über das Märchen, was ich wohl am liebsten mochte.

Lange nicht mehr gehört – inhaltlich auch gar nicht mehr sooo
präsent hab ich mir das Märchen dann noch mal rausgesucht und
gelesen.

Allerleihrauh – Ja – das wäre wohl meine Antwort gewesen.

allerleirauh1

Anfangs etwas überrascht, denn dieses Märchen beginnt mit
einem inzestuösen Thema, was ich völlig vergessen hatte – das
war mir gar nicht mehr präsent – und das hat auch nichts mit
mir zu tun, denke ich. 😉 – passte die Figur für mich immer mehr.

Interessant daran fand ich auch die parallele – die ich zu dem
Märchen „Hans mein Igel“ sah – ein Märchen, dass ich erst mit
25 Jahren kennengelernt habe, durch das Buch „Wege – aus dem Chaos,
Das Hans-Mein-Igel-Syndrom oder die Borderline-Störung besser verstehen“. 

Der Autor beschreibt in diesem Buch die Borderline-Störung anhand
dieses Märchens. Das Buch kann ich übrigens sehr empfehlen, für
diejenigen, die sich mit Borderline näher befassen wollen.

Ich hab jedenfalls so den Verdacht, wenn ich dieses Märchen
in der Kindheit kennen gelernt hätte, dann wäre mein Wahl wohl
darauf gefallen, weil hier noch mehr die Verwandlung vom
„hässlichen etwas“ in einen hübschen Burschen  – thematisiert wird.
Und das Misstrauen zur Welt, dass aufgelöst werden muss – damit
Hans mein Igel seine Igelhaut ablegt. Und speziell auch der Schluß –
in dem sich der hübsche Jüngling seinem Vater zu erkennen gibt,
der meint -„er hätte keinen Sohn, er hätte nur einen gehabt, der wäre
aber wie ein Igel mit Stacheln geboren worden und wäre in die
Welt gegangen“ – woraus so viel Enttäuschung über das Wesen spricht.
Eine Enttäuschung, dich ich auch immer empfunden habe.

Naja – aber es war eben nicht Hans mein Igel. 😉
Hier versteckt sich die Prinzessin unter einem dicken Pelz aus
Allerleirauh (der für mich für Schutz steht) -in Hans mein Igel- ist
es die Igelhaut – die Menschen eben auch auf Distanz halten soll,
und kommt man ihm zu nah – könnte man sich verletzen. Die aber
eben eine Funktion hat, weil das darunter so verletzlich ist.

Und in beiden geht es irgendwo darum diese Haut abzulegen,
die man irgendwann mal – sei es aus Angst oder Ablehnung
oder schon zur Geburt zum Schutz benötigt hat.

ich hab mir natürlich auch die psychologische Analyse des
Märchens rausgesucht… und war mit meiner Wahl sehr zufrieden.

Hier nur in meinen Stichpunkten das wesentliche….Wenn euch das
Märchen interessiert, das hab ich bereits oben verlinkt.

Allerleirauh flüchtet vor ihrer Familie – die sie (hier durch das
inzestuöse Thema- was auch der Grund war, warum dieses
Märchen aus den Märchenbüchern verschwand) als Bedrohung sieht.
Sie versteckt sich, lebt eine Weile für sich ganz alleine
in ihrer eigenen Welt. Sie macht sich ganz klein und lebt, wie
die Tiere im Wald.

Dort wird sie von Jägern und dem Prinzen des benachbarten
Königreichs  aufgegriffen, die sie mitnehmen  und wo sie
als Küchenhilfe – niedere Arbeiten ausführt und in ihrem
Ställchen einen Platz zum schlafen zugewiesen bekommt.
Zwischendurch wird sie sogar als ES bezeichnet. Nicht mehr
als Mädchen – als Frau, sondern eher so als ein DING – ein Tier,
ein etwas. jetzt kommt diese typische Ball-Geschichte, wie man
sie auch aus anderen Märchen kennt. wo sie kurz die Deckung
ihres Allerleirauh-Mantels aufgibt – und sich zu erkennen gibt,
aber jedes Mal wieder flüchtet nach einem Tanz mit dem Prinzen,
unter ihr dickes Fell.

Als der Koch sie bittet für den Prinzen zu kochen lässt sie
drei Gegenstände – die sie aus ihrem alten Königreich mitgenommen
hat – nach einander in die Suppe des Prinzen fallen.
Sie spielt – sie möchte entlarvt werden. Sie möchte,
dass man sie erkennt. Gleichzeitig prüft sie aber auch den
Prinzen auf diese Weise. Der Prinz kommt durch eine List
dahinter – und entlarvt Allerleirauh … hat für mich so ein bisschen
von „er kommt auf die wahre Natur“, die sie unter dem dicken
Mantel und dem russ- und aschegeschwärzten Gesicht verbirgt.
Und blablabla – sie lebten glücklich und zufrieden. 😛

Ich bin jetzt jedenfalls mit meiner Wahl sehr zufrieden und ich
danke für die Anregung zum Nachdenken – und möchte euch
einfach mal mit dazu einladen – mal zu schauen, welches
Märchen IHR aus eurer Kindheit mit einer besonderen Intensität
erlebt habt – um es vielleicht noch mal zu lesen und dann eben
auch noch mal zu schauen, wofür dieses Märchen allgemein –
und auch ganz speziell für euch stand. 🙂

ich fand das jedenfalls sehr spannend. Und danke für die tolle
Anregung.

65 Antworten zu “Märchen von Bedeutung

  1. Sehr schön. Ich wurde übriegens mit dem Märchen:“ Der Teufel mit den drei goldenen Haaren “ therapiert.
    Ganz lange mochte ich nicht der Held sein, aber Tatsache ist, dass das Märchen soviel mit mir zutun hat, vom Verkauf derMutter ihres Kindes über das versteckte Böse (der König- nicht der Teufel) viele Weggefährten und offene Fragen….Ja – und so begann ich selbst Märchen zu schreiben und eben Kurzgeschichten….das Schreiben war eine Eigentherapie.Sogar mit kleinen Erfolgen von Veröffentlichungen.
    Übriegens bin ich auch Mitglied der EMG (Europäische Märchengesellschaft) Googel doch mal. Es gibt von ihnen viele tolle Seminare und sollte dich was ansprechen und du nach Stapelfeld Raum Clp gelangen bist du herzlich eingeladen bei mir zu nächtigen …..ist etwas billiger….
    L.G. Bia

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  2. Ja, diese Frage fand ich auch sehr interessant und ich dachte ebenso am Anfang, da das passende Märchen zu finden, sei schwer – es dauert eben, das mal zu verinnerlichen und die Handlungen in den Märchen etwas „umzudenken“. Ich habe als Kind auch sehr gerne Märchen gelesen und später meiner jüngeren Schwester immer vorgelesen und noch später meinen Kindern. An viele kann ich mich gut erinnern.
    Auch von mir mal ein Danke an dich, B., für diesen Gedankenanreger.

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    • Bei Märchen hab ich da auch nicht drüber nachgedacht, aber bei Filmen schon öfters… wenn man das Gefühl hatte, dass einen z.B. irgendwas ganz besonders stark anspricht und eine verhältnismäßig heftige Reaktion bzw. ein Gefühl vermittelte – das hat dein meist was mit einem selbst zu tun … da schau ich schon, wenn mir sowas auffällt an mir ganz besonders hin. Weil ich auch finde, es lohnt sich darüber nachzudenken, weil man vielleicht sich selber wieder ein bisschen mehr auf die schliche kommt.

      Wieso diese heftige Reaktion… ganz besonders auch bei Menschen.
      Wieso reagiere ich auf den anderen so dermaßen intensiv. Egal wie.
      Negativ oder eben auch positiv. Da steckt immer was von uns selbst drin. 🙂

      Ich finde das wahnsinnig interessant.

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      • Da hast du recht…Habe mich damit noch nie befasst…Das ist wirklich interessant…
        Ich habe so etwas ähnliches bei Menschen,wenn sie mein Sternzeichen haben.Das ist vielleicht schon ein anderes Thema,aber da sehe ich dann auch oft im Verhalten des anderen Parallelen zu mir…So fällt es mir vielleicht manchmal leichter das Handeln des Anderen besser zu verstehen…

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  3. Sehr sehr interessantes Thema! Dieses Märchen kenne ich jetzt offen gestanden gar nicht, muss mal schauen, ob ich das noch irgendwo nachlesen kann.
    Auf jeden Fall findet man ja in vielen Märchen durchaus „versteckte Tragödien“, sofern man auch ein Auge dafür hat.
    Du hast das wirklich sehr schön beschrieben und es regt zum nachdenken an, auch… wenn ich über mich selbst gar nicht mal nachdenken möchte. 😉

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    • Das Märchen Allerleihrauh hab ich ganz oben verlinkt.
      Hans mein Igel – warte……wenn dich das interessiert ist
      hier ein Link:
      http://www.grimmstories.com/de/grimm_maerchen/hans_mein_igel

      Finde ich jedenfalls recht ehrlich, wenn du sagst, du möchtest nicht über
      dich selbst nachdenken. Kann ich verstehen… vielleicht irgendwann
      mal. Ich für mich hab damit nur gute Erfahrungen gemacht – mal
      in sich hinein zu schauen und sich zu fragen -was hat das alles mit
      mir zu tun. 🙂

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      • Stimmt so nicht ganz. Nur die Zeit habe ich bereits hinter mir. Alles durchgekaut und ja…. es war gut, die Erfahrung sollte man machen. Ich kann mich in sehr vielen Geschichten wiederfinden.
        Nur eines Tages muss man damit auch abschließen.

        Danke für den Link, hatte ich übersehen, muss ich die Tage unbedingt lesen.

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          • Dito, da stimme ich dir zu und manchmal muss man sich auch erinnern. Vergessen oder verdrängen möchte ich persönlich auch rein gar nichts! Sage immer, auch, wenn das Leben oft hart und beschissen war, es hat mich reich gemacht an Erfahrungen und machte mich zu dem, was bzw WER ich heute bin. Okay, ob das anderen gefällt oder nicht, ist fraglich, aber… es hätte schlimmer enden können. 😉

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  4. nachdem ich den Eintrag gelesen habe, überlegte ich welche Märchen ich noch kenne, viel ist mir dazu nicht eingefallen. Mir hat früher keiner was vorgelesen und später als ich meinem Patenkind vorlesen wollte, hat seine Mutter mir verboten, ihm Märchen vorzulesen. Wegen Gewalt usw. Naja, da habe ich mich auch dran gehalten. Aber eine Zeitlang gab es Märchen im Fernsehen und ich habe festgestellt, ich kenne echt sehr wenige. Nun überlege ich, was könnte ich darauf antworten „welchen Charakter einer Märchenfigur hast Du in etwa“. Bedeutet für mich, ich werde mich nun weiterbilden und Märchen lesen. Denn ich finde das Thema echt interessant, und was Du geschrieben hast, bewegt mich doch sehr.

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    • Ich finde das auch gut übertragbar auf anderes – hab ich eben schon in einem Kommentar geschrieben – selbst, wenn man jetzt wie du schreibst – gar nicht so viele Märchen kennengelernt hat, sei es Film oder irgendwas was einen irgendwo viel tiefer berührt, als es vielleicht „normal“ wäre – dann ist das eigentlich immer ein Hinweis, dass das was mit einem selbst zu tun hat. Aber auch jetzt mal Märchen zu lesen … freut mich, wenn du da neugierig geworden bist. Ich lese heute auch noch gerne Märchen und genauso gerne gucke ich Märchenfilme. Jo – also mach mal. 🙂 Vielleicht sprechen wir dann mal, wenn du da etwas schönes für dich gefunden hast. ^^ Dass das bei euch so völlig untersagt wurde, finde ich aber irgendwie auch schon krass. Hmmm.

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      • Ja, ich melde mich wenn ich was geguckt habe. Ich habe übrigens einen Film, der mich tief beeindruckt hat. Kennst Du vielleicht Hinter dem Horizont mit Robin Williams?

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        • Ja kenne ich – hab ich mal gesehen, aber das ist schon eine Weile her. War jedenfalls auch sehr fantasievoll und irgendwie auch märchenhaft, oder? Und? Vielleicht kannst du da ja mal nachspüren – oder einfach noch mal gucken, was es war – was dich da so angerührt hat. 🙂

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    • Das geb ich jetzt einfach mal an dich weiter – oben hat „alleinsein1974“ einen Link im Kommentar gebloggt – wo drunter steht „zum anhören“ – falls du lieber nicht lesen, sondern lieber vorgelesen bekommst. – Ich glaube, dann bist du dort ne Weile beschäftigt. Obwohl ich ja sagen muss, ich lese die Märchen lieber selber. Aber das ist Geschmacksache.

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  5. Was für ein toller EIntrag, liebe Suchende. „Allerleirauch“ kenne ich nicht einmal, dabei habe ich einige Märchen gelesen, schließlich war das Blaubartmythos eines meiner Prüfungsthemen an der Uni. Ich lese gerne Märchen, dabei finde ich es interessant, dass sich die Märchenthemen rund um den Globus gleichen, sie werden nur unterschiedlich – vor dem jeweiligen kulturellen Hintergrund – angepasst und erzählt. Der schon erwähnte Blaubartmythos ist dafür ein gutes Beispiel.
    Neben den zig unterschiedlichen Versionen von „Blaubart“ mochte ich „Die Schneekönigin“ immer besonders gern. Hach, schöne Kindheitserinnerungen überfluten mich gerade, denn meine Oma hat mir als Kind Märchen vorgelesen. Sie war wirklich eine gute Vorleserin und ich habe das geliebt. Tja, und jetzt lese ich anderen vor. So schließt sich der Kreis.

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  6. Ich hab einmal bei einer Coaching-Session den Auftrag bekommen mein Märchen selber zu schreibe … Es Steck so viel von mir in der Geschichte die geschrieben habe, dass ich immer noch heulen muss wenn ich sie lese!

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  7. Pingback: Allerleirauh |

  8. Daß Lieblingsmärchen oder Geschichten mit unseren psychischen „Strickmustern“ in Zusammenhang stehen, davon bin ich überzeugt.
    Eines meiner Lieblingsmärchen ist „Die Kleine Meerjungfrau“ …
    Ich habe die von Dirk Steinhöfel illustrierte Einzelausgabe dieses Hans-Christian- Andersen-Märchens besprochen und dort auch das Märchen selbst kurz nacherzählt:
    https://leselebenszeichen.wordpress.com/2014/07/23/die-kleine-meerjungfrau/

    Märchenhafte Grüße 😉
    Ulrike von Leselebenszeichen

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    • Oh ja – das war auch ein schönes Märchen. ich erinnere mich noch gut, als ich als Kind die Verfilmung ansah. Aber soooo traurig. Das war ja der Unterschied zwischen den Grimmschen Märchen und denen z.B. von Hans-christian-Andersen. Bei den Grimmschen war zum Schluß immer alles gut. die anderen Märchen waren da nicht so glücklich in ihren „Enden“. 🙂

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