Autobiografie in 5 Kapiteln

(aus: Portia Nelson, There’s a Hole in My Sidewalk)

1. Kapitel:

Ich gehe die Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich falle hinein.
Ich bin verloren … Ich bin ohne Hoffnung.
Es dauert endlos, wieder herauszukommen.

2. Kapitel:

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich tue so, als sähe ich es nicht.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen.

3. Kapitel

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich sehe es.
Ich falle immer noch hinein … aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen.
Ich weiß, wo ich bin.
Es ist meine eigene Schuld.
Ich komme sofort heraus.

4. Kapitel

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich gehe darum herum.

5. Kapitel

Ich gehe eine andere Straße.

Irgendwie hab ich mich darin gleich wiedererkannt. Smiley-kichern

Gesten gefunden bei
Psychologie / Ironie / Sarkasmus / Gesellschaft / Poesie /Normalität und Wahnsinn

die ich euch auch gleich als Lese-Empfehlung vorstellen möchte. 🙂
Schaut mal vorbei. Unter anderem  findet ihr da Texte zum Schmunzeln
und Totlachen zu meinem Lieblingsthema „Psychologie“.

Bewältigungsstrategie – Teil 7

Bewältigungsstrategie: Freizeit-Füllen, Hobbys, Internet

Nach meiner Therapie wurde es ein wenig ruhiger in meinen
Wahlverfahren – was Lösungsansätze angeht. Zuallererst
stellte ich fest, dass die Aufgabe der Essstörung eine
riesen Lücke – ein Loch geschaffen hatte, dass ich
irgendwie stopfen musste.

Ich verrannte mich in vielen Freizeitaktivitäten in der Zeit.
Im Internet – eine Selbsthilfegruppe für Essstörungen und
Borderline aufziehen – eine Mailingliste dazu moderiert,
einen Webring. Eine Hilfeforum. Ich erhielt eine wahnsinnige
Resonanz. So hatte ich am Tag mindestens 30 dicke Briefe
zu beantworten – neben den ganzen Nebenaktivitäten mal abgesehen.
Das füllte dieses Loch, obwohl es schon wieder einen gewissen
Stresspegel hochschnellen ließ. Aber alles war wie ein
zwanghafter Versuch sich zu beschäftigen.

Andere Hobbys – die ich versuchte endeten auch in extremen.
Solche Dinge, die man eigentlich als harmlos einstufen könnte,
wie das Schlagzeugspielen, Klavier, Musikschule, Squash
Hundeschule – doch alles etwas zu viel – zu streng – zu starr
betrieben. Ich musste gut sein in allem, was ich tat….
ich musste Erfolg haben. Rückschläge verkraftete ich gar nicht.

Doch meist kam ich eben immer wieder an den Punkt, wo ich
nicht weiter kam, wo ich nun hätte geduldig und vielleicht auch
ein bisschen liebevoller mit mir hätte umgehen sollen. Aber
dazu war ich nicht in der Lage, so schmiss ich eine Sache nach
der anderen hin.

Obwohl ich in manchen Dingen auffällig schnell im lernen war…..
aber eben nicht genug – nicht ausreichend für meine Ansprüche.
Meine Familie bewunderte mich für meinen Ehrgeiz – aber in
seiner Form, war er auch krank und übertrieben.

Und ich duldete kein Versagen. Eher ließ ich dann wütend und
genervt – schon wieder resigniert – davon ab. In meinem Kopf
das Gefühl zu versagen. Nicht gut genug zu sein.

und dann suchte ich neues…. suchte wieder die Euphorie vom Anfang.
Ich merkte, wie begeisterungsfähig, ich sein konnte. Eine Sache,
konnte meine Stimmung in höchste Lagen versetzen. Ich hab keine
Ahnung, wie sich eine Manie anfühlt, aber ich habe ähnliche Zustände
erlebt. Ich genoss diese Anfangszeit – die aber jedes Mal in eine
Zwangshandlung mündete.