Verdrängung

,,,,, wieder ein Auszug aus meiner heutigen Therapiestunde.
Es ist nunmal so, dass man im Laufe der Jahre nicht nur den positiven
Effekt einer Therapie mitnehmen kann – sondern es hat eben auch gewisse
– ich nenn es mal Nebenwirkungen. Ich verwende auch gerne und liebevoll
den Ausdruck „Therapieschaden“. 😉

Dazu gehört eben, dass man VIEL – SEHR VIEL von sich selbst weiß.
Und man sich sehr bewusst über die Dinge ist. Nicht unbedingt immer direkt.
Nein – aber zumindest sehr häufig dann im Nachhinein.

Was nicht IMMER gut ist. Zum Beispiel in dem Fall des Verdrängens.

Es gibt schon Mal in jedem Leben Themen und Richtungen, die man
gerne verdrängen möchte und auch tut. Meistens passiert das unbewusst.
Nicht wenn man eben schon einen „leichten Therapieschaden“ hat.

Dann kann man das nicht mehr so leicht. WEIL … man merkt sogar das.

Will heissen. Ich bin mir darüber VÖLLIG bewusst dass ich gerade einiges
verdränge, was wiederum doof ist, weil es so ein bisschen denn positiven Effekt des
Verdrängens aufhebt. :-/

Aber man kann auch nicht jetzt wieder so tun als ob – und „wegsehen“
wenn man (und ich bin ja was meine Selbstreflektionsstudien angeht –
jo auch schwer Therapiebelastet) ständig darüber stolpert.

Ich werd jetzt mal konkret – so als Beispiel.
Ich bin mir gerade völlig bewusst darüber, dass ich die Themen
-Liebe
-Sex
-Beziehung
-MÄNNER

völlig verdränge bzw. meide  und versuche noch eine Weile für
mich auszuklammern. Was auch gut so ist – ich finde das völlig okay,
sich da eine Auszeit zu nehmen,um irgendwann wieder dahin zurück
zu schauen oder eben auch nach vorne, wenn man sich gefühlsmäßig
wieder stark genug dafür fühlt..

Ganz schlimm wird es bei dem Namen meines Ex-Freundes.
Den auszusprechen bereitet mir ernsthaft körperliche Beschwerden
und verursacht Schmerzen – (kein Scherz) – oder so ein Gefühle wie:
Uoh… ich könnte kotzen. 😦

Während ich also so darüber in der Therapiestunde rede, merke ich,
dass jetzt gleich eine Stelle kommt, wo ich seinen Namen erwähnen muss
und……. ich zöger ich druckse – ich will nicht… ich nehm anlauf – hole tief
Luft und dann kommt es viel zu schnell und Hart herausgeschossen –
und mit dem Gefühl – ich hab es geschafft. Dieses ekelhafte etwas
(das Wort, der Name) ist raus.

So und jetzt bitte wieder – „können wir über was anderes reden?“ :-/

Schlimm ist auch, wenn meine Freundin mir die Frage stellt:
„Und? hast du noch was von xxxxx gehört?“ … oooooohhhh – ganz böse
Frage – will ich nichts zu sagen, möchte ich nicht drauf eingehen. Ich 
könnte schreien – ich glaube, ich tu es sogar. o_O Frag nicht.
Ich hab mir sogar schon angewöhnt – sollte es NÖTIG sein,
dass ich ihn erwähnen muss in irgendeinem Zusammenhang zu sagen:

„Der dessen Name nicht genannt werden soll“. XD

Und das ist wirklich das blöde an dieser ganzen Selbstreflektions-Sache,
dass man dadurch gar nicht mehr sooooo unbewusst verdrängen kann.

Andererseits erklärt es mir natürlich dadurch, dass ich das weiß auch meine
völlig irrationalen Reaktionen, wenn z.B. jetzt ein MANN mit mir über SEX
reden will oder auch nur über Männlein und Weiblein allgemein. Da fällt
bei mir die Klappe. Sperre. Da ist gerade ALLES blockiert. Kein Durchgang.
Verboten. Will ich nicht hin. Oh bitte nicht. 

Trotzdem hab ich da jetzt nicht großartig was an mir rum zu meckern, weil
ich wirklich denke. „ Das ist okay“ – ich nehme mir die Pause – ich brauche
die Pause – ich bin mir der Pause bewusst und sie darf sein. Und sie kann auch
von mir aus so lange dauern, wie ich halt eben brauche.. Kein Problem. Und ich freue
mich sogar darüber, dass mir das „normalerweise“ ganz gut mit dem Abschalten
gelingt. 🙂

Und dass ich dann hin und wieder etwas HARSCH und BARSCH bin, wenn
jemand meine Abgrenzungsthemen gerade überschreitet – (was schon so ein
blöder Radiosprecher sein kann, der gerade den nächsten Herz-Schmerz Song
ankündigt – und wo ich wie von der Tarantel gestochen dann aufspringe um
SOFORT entweder den Sender zu wechseln, oder lieber die Kiste ganz aus zu machen)
jo – das verzeihe ich mir im Grunde auch. Kommt zwar dann manches mal so
mein Gewissen hoch: Mensch, das war jetzt nicht so nett von dir.

Aber NETT sein – auf Teufel komm raus. – hab ich auch gleich abgeschafft.
NETT sein „schützt nicht“ – und ich brauche gerade meinen Schutzpanzer/wall.

So als Beispiel: Geh ich letztens die Straße runter und so ein Bekannter schwallt
mich gerade ohne Ende über seine aktuelle Trennung zu. Volle Kanne.
Mich überflutet gerade völlig – seine ganze in das Gespräch bepackte
„Gefühlsintensität“ – WUT – Enttäuschung – Liebeskummer, Angst,
Aggressionen….. Und ich merke echt, dass ich NICHT WILL. Ich will das
nicht hören – ich will nur dass er aufhört. Mir geht der Puls ohne Ende….. .
Ohhh…ich platz gleich. JO… und das sag ich dann :-/ bzw. irgendwann schreie
ich nur noch AUFHÖREN. … das wäre dann so ein Zeichen, dass ich zu lange
gewartet habe, damit was zu sagen. 😦

Wahrscheinlich hält er mich für unfreundlich. Muss ich mit leben. Geht.

Fazit: Läuft. Eigentlich ganz gut. 🙂

Schutzwall hochgefahren und alle Soldaten auf ihrem Posten.
UND – das Gefühl: du kommst hier nicht rein. ^^

PS: Ja und mir ist AUCH bewusst, dass es mir gelungen ist – den Namen meines
Ex-Freundes auch in diesem Beitrag völlig zu vermeiden…  😉 … der kriegt hier
noch nicht mal ein TAG oder ein Schlagwort verpasst *ätsch* 😛 – AUS – VORBEI. 

Defragmentierung läuft

kommt mir so in den Sinn…. wenn man darüber nachdenkt,
dass Borderliner nur aus Ich-Fragmenten bestehen? Was nichts
darüber aussagt, dass sie NICHTS sind – es ist einfach nur
irgendwie zerschossen. Die Teile haben keine Verbindung zueinander.

Das ICH als Kontrollinstanz ist brüchig – eben zerstreut.
Deshalb sind die anderen Anteile in Ihnen so stark und übermächtig.
Brechen hervor – ungebremst – können schwer gezügelt werden.
Es fehlt an Stabilität zwischen den einzelnen Bausteinen.
Weil es an Verknüpfungen und Verbindungen fehlt. Das macht
sie sehr anfällig und labil.

Es gibt Menschen die behaupten – Borderliner sind LEER.

Das ist nicht richtig. Wir fühlen uns schon mal leer. Aber wir
sind es nicht. Wir sind sogar gerade durch unsere Gefühls-Palette
bunt und farbig. Durch die verschiedenen Stimmungen – vollständig
auf eine chaotische Weise… wohl war….doch bringen wir Ordnung
in die vorhandenen Fragmente … fügen Fragment für Fragment zusammen,
ordnen jene die zusammen gehören – stellen durch andere Erfahrungen
Verbindungen – wie Synapsen im Gehirn – die sich wieder bilden – oft in
späteren Jahren durch neue Erfahrung – her …., werden wir stabiler
und können mit zunehmendem Alter „gesünder“ werden – gesünder wirken,
gesünder sein.

Ich sass diese Woche in der Therapiestunde und diskutierte mit
meiner Ärztin über „das Ich“ – und das „Nichts-sein“. Oder das
„Monster-Sein“.

Speziell über diesen Beitrag eines „verletzten“ Ex-Partners
einer Borderlinerin und seinen Behauptungen, wie fürchterlich
wir doch alle sind. :crazy: … der neue Artikel ist auch klasse….
da sagt er: Borderliner sollten sich als Paar zusammentun,
damit sie keinen anderen schädigen. Hallo??? Gehts noch???? |-|
Denkt mal jemand darüber nach, dass die Welt zuallererst
mal UNS geschadet hat? Und das es völlig natürlich ist,
jetzt auf der Hut und Achtsam und extrem auf Selbstschutz
ausgelegt zu sein?

ich glaube, dass meine Ex-Partner sehr viel in der Beziehung
mit mir mitgenommen und gewonnen haben… genauso wie ich von
Ihnen lernen konnte. Aus beidem – den guten und den schlechten
Erfahrungen.

Jedenfalls meinte meine Therapeutin: „Jedes Mal, wenn sie sagen –
ich will das nicht mehr – dann sind das SIE – kein anderer. Sie
wissen was sie wollen und auch wer sie sind“ … ich nickte.

„ich erlebe sie klarer und zusammenhängender – und lebendiger.“
fügte sie noch hinzu.

Ich weiß… sagte ich. 🙂 … und darauf war ich ein bisschen
stolz. Ich BIN jemand – selbständig und ohne Spiegel und ohne
einen Gegenüber. Ich hab mich defragmentiert – bzw bin dabei.
Mag sein – vielleicht ist der Vorgang erst zu 50% abgeschlossene
– aber es läuft…..

und jeder der versucht – diese noch nicht verheilten neuen
Narben – die durch Vernetzung entstanden sind – wieder zu
zerschießen, der wird rigoros abgewehrt.

Das mag man dann als schlechte Erfahrung mit mir verbuchen.
Aber hat seine Berechtigung.

Kennt ihr die Geschichte von Hans mein Igel? Heinz Peter Röhr
hat dieses Märchen auseinander genommen und analysiert und
auf die Borderline Problematik übertragen. Beginnend mit
dem Mensch in Igelhaut, der andere, die ihm zu Nahe kamen
verletzte, der erst ganz zum Schluß, als er sich unter
bestimmten Menschen, bei denen er sich sicher fühlte,
seine Igelhaut abstreifte – und darunter ganz nackt und bloss,
und durchlässig und sehr verletzlich war. Die Menschen um
ihn herum haben ihn dann so lange verarztet und gesalbt und
versorgt, bis sein Haut Nachwuchs und er wieder geschützter
aber nicht mehr stachelig sein musste. 🙂

Buchtipp:
Wege aus dem Chaos: Das Hans-mein-Igel-Syndrom oder die
Borderline-Störung verstehen

Ich hab mir die letzte Zeit sehr viele Gedanken gemacht,
was ich alles lernen musste, was ich alles ablegen und
verändern musste an mir – und manches was immer noch
nicht abgeschlossen ist und läuft. Und welche Erfahrungen und
Lektionen da auf mich warteten. Und welche mir noch bevor stehen.
Aber wenn ich mir diese Maße an Arbeit darin betrachte – und
sehe, was ich geschafft habe, dann fühl ich mich gut 🙂

ich hab mich verändert… wie sehr – das kann vermutlich nur
ich begreifen. Und es ist großartig und fantastisch . Und
ich bin noch nicht fertig. Die Defragmentierung läuft – und
mein Prozessor ist langsam und rödelt schonmal rum und hin und
wieder bleibt er hängen – und dann muss vielleicht eine Datei
gelöscht oder eine andere wiederhergestellt werden. *grins*

Aber es ist im Prozess. 50% abgeschlossen ……

defragmentierung

Damit lässt sich schon mal arbeiten. ich gewinne zusehends
mehr Kontrolle über mein eigenes Leben und über mich selbst,
und übernehme die Verantwortung dafür.

Schematherapie

oder – und jetzt schicke ich meine Therapeutin noch mal
auf die Schulbank. :>>

Vor ein paar Tagen bin ich bei meiner Recherche im Internet
auf eine neue Therapieform gestossen, die nach einigen
Studien, den größten Erfolg in der langfristigen Behandlung
von Borderline-Patienten verspricht. Die Schematherapie.

Das klang interessant. Dort las ich

Bis vor Kurzem konnte eine Psychotherapie Abhilfe nur für manche Symptome von BPS bieten. Die besten Behandlungsmöglichkeiten, wie die Dialektisch-Behaviorale Therapie, können viele der selbstzerstörerischen Verhaltenssymptome der Störung verbessern. Dagegen können sie jedoch viele andere wesentliche Symptome nicht bessern, insbesondere wenn sie etwas mit der tiefer liegenden Veränderung der Persönlichkeit zu tun haben.

Auch die Studien zur Wirksamkeit sehen vielversprechend aus.
Hier mal der komplette Link für Interessierte 🙂

Da wurden Heilungschancen innerhalb von 4 Jahren von bis zu 70% ausgesprochen. |-|
HEILUNGSCHANCEN!!! Na – ob ich das so glauben kann???

Jedenfalls hab ich mich ein bisschen schlau gemacht (ich werd sicher die
Tage noch ausführlicher zu der Therapieform berichten) – UND … das möchte
ich versuchen. :yes: Das könnte nämlich verdammt gut passen. Werdet ihr
schon sehen, wenn ich die Schematas mal genauer aufführe. 😉

Da seh ich nämlich noch einiges an Bedarf. :yes:
Jedenfalls – meine Therapeutin – kennt zwar schon die Therapieform,
hat sich aber bisher noch nicht praktisch damit beschäftigt – und müsste
sich auch noch einiges dazu aneignen – evtl. auch Fortbildungen besuchen.
ABER sie hat sich bereit erklärt – und das finde ich soooo toll von ihr –
das für mich zu machen. :lalala: Ich werde also vermutlich ihr erstes
Studien-Objekt für die Schematherapie. Ja – sie muss das noch mit ihrem
Supervisor absprechen – aber ich hatte sogar den Eindruck, sie hätte
sogar Lust und Spaß daran. 🙂

Von dem was sie darüber wußte, fand sie die Idee ziemlich gut und sie
meinte, ich könnte auch dafür geeignet sein. B)

„ALLLLLSSSSSSOOOOOO “ – meinte ich zum Schluss der letzten Stunde – „werden
wir UNS mal weiterbilden.“ Sprach dann aber noch beruhigend auf sie ein:
„ich werd ihr schon zwei Bücher Vorsprung lassen. Hab
gerade noch was anders auf dem Nachttisch liegen.“ :))

Ich find das jedenfalls ziemlich spannend. Es geht um Muster – sich ständig
wiederholende – genau mein Ding. Und….. ach – was red ich…. lest mal
den Bericht oben. 🙂 – inhaltliches werde ich dann die nächsten Tage hier
noch zusammentragen. 😛

Borderline und DBT

auch mal was positives über die Borderline Störung.
Jedenfalls empfand ich das so beim Lesen.

Meine Therapeutin hat mir vor ein paar
Tagen ein Buch aus ihrer Sammlung mitgegeben. Das war nicht
aus Therapiezwecken, sondern nur aufgrund meines allgemeinen
Interesses.

Das Buch behandelt das Thema:
Borderline und die Dialektisch-Behaviorale Therapie.

Es gibt Ratschläge und Tipps, führt Beispiele auf,
allerdings speziell für Therapeuten, wie sie die womöglich
schwierige Beziehung zu solchen Patienten gestalten bzw. aufbauen können.

Erstmal freu ich mich sehr über die Geste, dass sie mir
das Buch geliehen hat, was für mich persönlich jetzt nicht
wirklich relevant ist, zum anderen hat das irgendwie was
von „in die Karten gucken lassen“ / mit offenen Karten spielen.
Das mag ich.

Womit sie mir auch ein großen Vertrauensbeweis entgegen bringt. 🙂

Da der Borderliner ja generell ein schlechten Ruf hat, haben
mir in diesem Buch einige Passagen sehr gut gefallen, die
„naja eigentlich dem Therapeuten“ – die Angst vor dem
Krankheitsbild/ den Monstern nehmen sollen.

Da möchte ich mal ein paar Auszüge posten, weil mir diese
Betrachtungsweise so zugesagt hat. 🙂

Therapeutische Grundannahmen (meint: wovon der Therapeut bei
jedem Patienten ausgehen sollte, auch wenn es womöglich anders
scheint)

Jedes Verhalten des Patienten macht im subjektiven Kontext Sinn.
Sie versuchen das Beste aus ihrer gegenwärtig verheerenden Situation
zu machen. Es liegt daher in der Aufgabe des Therapeuten, die
jeweiligen Auslöser, Schemata und Konsequenzen herauszuarbeiten.

Borderline Patienten WOLLEN sich verbessern
(DAS finde ich persönlich ne ganz wichtige Aussage und Sichtweise
für den Therapeuten …. wer annimmt, der Patient will sich gar nicht
ändern – und das womöglich auch noch vermittelt, hat verloren)

Borderline Patienten müssen sich stärker anstrengen, härter arbeiten
und stärker motiviert sein, um sich zu verändern, dies ist ungerecht.

(und erklärt womöglich meine Aversion gegen RATSCHLÄGE 🙄 )

Borderline Patienten haben ihre Probleme in der Regel nicht alle
selbst verursacht, sie müssen sie aber selber lösen.

(ein paar Zeilen später wird dazu eine nette Metapher aufgeführt,
wie man es einem Patienten erklären kann… da heißt es „Stellen sie
sich vor ein Mann ist auf dem Heimweg von der Arbeit, der ihn an
einem Fluss vorbei führt. Plötzlich aus heiterem Himmel wird er
überfallen und in den Fluss gestoßen. NUN… da der Mann nicht
selber in den Fluss gesprungen ist, bedeutet das, dass er nicht
selbst heraus schwimmen muss? )

Das Leben suizidaler Borderline-Patienten ist so, wie es gegen-
wärtig gelebt wird, in der Regel unerträglich.
(finde ich als
Annahme auch wichtig, weil gewisse Züge schon theatralisch bis
hochdramatisch, auf der einen Seite / auf der anderen Seite
aber oft auch das Gegenteil – nicht spürbar emotional beteiligt
dargestellt sein können)

Borderline Patienten müssen in fast allen relevanten Dimensionen
neues Verhalten erlernen
(für mich auch ein ganz wichtiger Satz)

Patienten können in der DBT (dialektik-behaviorale-Therapie)
nicht versagen.
(wer sich das Konzept – den Link nochmal anschaut,
versteht, was hiermit gemeint ist – für den Borderliner ist das
wichtig – damit keine Ãœberforderung, die womöglich zu einem Therapie-
abbruch führen könnte, eintritt).

Therapeuten, die mit Borderline-Patienten arbeiten brauchen
Unterstützung.
(an anderer Stelle des Buchs wird geschildert,
wieso das so ist – weil eine Ãœbertragung statt finden kann –
während einer langen Therapie – die eben auch kranke Anteile
des Patienten auf den Therapeuten wom̦glich nicht auschliesst Рzum
anderen geht es um die Grenzen des Therapeuten Рdie wom̦glich,
auch nicht so leicht klar abzustecken sind und das ein schwieriges
Thema sein kann)

an einer anderen Stelle wir ein Beispiel aufgeführt, wie eine
Aufklärungsgespräch über das Störungsbild erfolgen kann.

Die meisten Menschen haben heute schon mal irgendwo etwas über
Borderline-Störung gelesen oder gehört. In vielen Fällen sind damit
eher negative Assoziationen verbunden. Weshalb ich übrigens auch
gewisse Borderline-Seiten, die das propagieren – sei es hier bei
Blog oder an anderer Stelle ablehne, weil es ein absolut falsches,
eintöniges/Unvollständiges Bild auf solche Menschen
wirft – bzw. Ängste und Vorurteile schürt – die ich auf keinen Fall
unterstützen möchte.

Ein Aufklärungsgespräch könne demnach wie folgt ablaufen….

Therapeut: “ Nun, nach Abschluss der Diagnostik können die von
Ihnen beschriebenen Probleme und Verhaltensmuster unter dem
Begriff Borderline-Störung zusammengefasst werden. Haben sie
die Diagnose schon mal gehört? Ich kann mir vorstellen, dass
so eine Diagnose nicht nur erleichterung mit sich bringt,
Borderline-Patienten haben ja einen ausgesprochen schlechten Ruf. “

Patient: Nun ja …. besonders angenehm ist das nicht …. “

Therapeut: Was verbinden Sie mit dem Begriff.

Patient: Ich weiß nicht…. man gilt dann als fies, manipulativ.
Verletzt sich und andere um Aufmerksamkeit zu bekommen.

Therapeut: Genau. Man sagt dann, dass sie „agieren“, haben sie
das schon mal irgendwo gehört? Das liegt daran, dass man lange
Zeit von diesem Störungsbild so gut wie nichts verstand. Das
ändert sich jetzt erst langsam. Und wie immer, wenn Menschen
sich hilflos fühlen und etwas nicht verstehen, dann beschuldigen
sie zunächst die Betroffenen. Das war bei der Lepra so, bei der
Schizophrenie und heute bei der Borderline-Störung. Das ändert
sich in dem Maße, wie wir beginnen zu verstehen, dass es sich
bei der Borderline-Störung um ein Problem der Emotionsregulation
handelt ….

Mir gefällt dieser behutsame, vorsichtige Ansatz – der wie ein
roter Faden durch das Buch führt. Eine Art Entmystifizierung.

Auch Ausführungen, neueste Erkenntnisse aus dem Bereich Hirnforschung
halte ich da für relevant. Dort heisst es…

Störung der Affektregulation

Autoren wie Coid, Linehan und Silk postitulierten eine erhöhte
Sensitivität gegenüber emotionalen Reizen, eine verstärkte
Emotionale Auslenkung und eine Verzögerung der Emotionsrückbildung. Diese
Hypothesen basierten jedoch zunächst ausschließlich auf klinische
Beobachtungen. Erst in den letzten Jahren konnten diese Annahmen auch
experimentell geprüft werden.

…..

Erste bildgebende Untersuchungen finden Hinweise auf Störungen im
präfrontalen Cortex, sowie in der Amygdala und dem Hippokampus.
Dem präfrontalen Cortex wird eine wichtige Rolle bei der Regulation
der Amygdala sowie der Kontrolle von konditionierten Furchtreaktionen
zugewiesen.

Ich hab mir schon immer – sei es auf meiner alten
Homepage – als auch hier bei Blog
vorgenommen, der allgemeinen Negativ-Darstellung
entgegenzuwirken.

Durch ein sehr intensives Gespräch gestern wurde ich
daran erinnert, wie es mal vor Jahren war. Was ich alles
getan habe, wie ich andere behandelt habe und mich selbst.
Was mir passiert ist ohne dass ich in dem Moment auch
nur die geringste Chance gehabt hätte, darauf Einfluss zu
nehmen. Unkontrolliertes und ungesteuertes Verhalten.

An der Stelle und zum Schluss dieses Eintrages,
möchte ich auf ein anderes Zitat aus dem
Artikel „Borderline – wenn Gefühle sich nicht kontrollieren
lassen“
zitieren. Dort heisst es über das Ziel einer
erfolgreichen Therapie:

„Wenn es gelingt, dann werden aus Borderline-Patienten ganz tolle Menschen. Sie bleiben sensibel, sie bleiben empfindsam, sie sind äußerst wertvoll für ihre Umgebung. Sie sind von vielen sehr gemocht. Sie bleiben immer auch ein bisschen stressanfällig und müssen lernen, mit sich umzugehen. Aber wenn’s gelingt, dass sie Verantwortung übernehmen, dann spricht nichts dagegen, denen eine sehr, sehr günstige Prognose zu geben.“

Dialektische-Behaviorale-Therapie (DBT)

… bei Borderline-Patienten….
oder der Weg zu mehr Stabilität

Ich habe hier die Tage eine schöne Beschreibung
der Therapieform gefunden, die die Vorgehensweise
meiner Therapeutin beschreibt.

So waren natürlich nicht die Anfänge … aber heute
geht es nicht mehr um Vergangenheitsbewältigung oder
das Erkennen von Rollen und Mustern oder einzelne
Symptombehandlungen – das bildete eher die Grundlage –
heute geht es um das Jetzt und um das Zusammenfügen
von ambivaltenten Gefühlen und Zuständen und Widersprüchen.

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Dialektisch-Behaviorale-Therapie (DBT)

Marsha M. Linehan hat vor einigen Jahren das Konzept der Dialektisch-Behaviorale-Therapie zur Behandlung von Patienten mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) entwickelt. Die Dialektisch-Behaviorale-Therapie (DBT) stellt seit dem die Grundlage der kognitiven Verhaltenstherapie für emotional, instabile Persönlichkeitsstörungen dar.

Borderline-Persönlichkeitsstörung

Bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) liegt eine Affektregulationsstörung zugrunde. Zurückzuführen ist diese Störung auf eine hohe emotionale Verletzbarkeit bei gleichzeitiger Unfähigkeit, Gefühle zu steuern. Die Dialektisch-Behaviorale-Therapie zeichnet sich durch klare Strukturen und leichte Anwendbarkeit aus. Zum Beispiel bietet sie Fertigkeitstraining in Gruppen an, um den Patienten die enormen Spannungszustände und die emotionale Verletzbarkeit zu nehmen.

Die für die Patienten unüberwindbare Spannung zwischen
unterschiedlichen Polen des Erlebens und Verhaltens
führt zur psychischen Problemen. Durch das Auflösen
von sich widersprechenden (dialektischen) Spannungen,
werden die Probleme behoben. Häufige dialektische Spannungen
entstehen durch folgende Pole:

РF̦rderung der Fertigkeiten РAkzeptanz von Fehlern:
Ich muss neue Fertigkeiten lernen, aber gleichzeitig akzeptieren, dass ich Fehler habe.

РL̦sung von Problemen РAkzeptanz von Problemen:
Ich muss versuchen, Probleme zu lösen, aber gleichzeitig akzeptieren,
dass sich nicht alle Probleme lösen lassen.

– Affektregulierung – Affekttoleranz: Ich muss versuchen, meine
Gefühle zu steuern und gleichzeitig toleranter gegenüber meinen Gefühle sein.

-Selbstwirksamkeit – Hilfe suchen: Ich muss auf meine eigene
Stärken zu vertrauen, aber gleichzeitig auch Hilfe suchen.

– Unabhängigkeit – Abhängigkeit: Ich strebe nach unabhängig und
bin gleichzeitig auch oft abhängig.

– Transparenz – Verschlossenheit: Manchmal ist Transparenz besser,
manchmal aber auch Verschlossenheit.

РVertrauen РMisstrauen: Ich muss vertrauen k̦nnen und gleichzeitig
misstrauisch sein.

– Zuschauen – Teilnehmen: Ich muss lernen, wann ich Zuschauer bin
und wann ich teilnehmen muss.

– Von anderen nehmen – anderen geben: Ich kann nicht nur nehmen,
ich muss auch geben.

– Sich selbst in den Mittelpunkt stellen – andere in den Mittelpunkt
stellen: Ich kann nicht nur selbst im Mittelpunkt stehen, sondern
muss auch andere in den Mittelpunkt stellen können.

In der Dialektisch-Behaviorale-Therapie (DBT) wird das Auflösen und Ertragen
dieser Widersprüche mit Hilfe von Strategien erlernt. Im Zentrum
der Therapie stehen dabei die Kern-Strategien „Validierung versus Problemlösen“.
Um sie herum ordnen sich die weiteren Strategien, wie z.B. Strategien
zum Umgang mit dem sozialen Umfeld. Jedes Strategiethema beherbergt eine
Dialektik mit zwei Polen. Ziel der Therapie ist, beide Pole aktiv
verfügbar zu haben, beide Pole integrieren zu können und ausgewogen
mit beiden umzugehen.

Quelle: WWW

Aktuelles Therapieziel

Mit der Frage: Was ist denn nun noch mein
Ziel für die Nachtherapie, läuft mir meine
Ärztin nun schon zwei Wochen hinterher.

Irgendwie wußte ich nicht mehr so genau,
was ich dazu sagen soll, geht es doch wieder
vom Trend her aufwärts.

Naja aber ich zweifel eben so ein wenig an
meiner wieder gewonnenen Stabilität und so
hat sie dann heute endlich ihre Antwort darauf
erhalten.

Auch, wenn sie es anders formulierte, aber im
Endeffekt kommt es auf das selbe raus.

Sie bemerkte eben nur, dass ich in gewissen
Situationen die Sätze anderer zu nah an mich
herankommen lasse und immer wieder in die
Rechtfertigungshaltung gehen würde.

Wenn ich mir aber doch einer Sache sicher sei,
wäre das doch garnicht nötig.

Sie brachte das Beispiel: Jemand würde zu ihr
sagen – sie habe ein Holzbein. nun sie würde
das nicht so persönlich nehmen, weil es eben
nicht stimmte. Könnte sich also abgrenzen.
Aber das schiene ja bei mir nicht zu funktionieren.

Recht hat sie. Und selbst bei den Dingen, bei denen
ich mir sicher bin. So hab ich doch letztens den
absoluten Tiefpunkt gehabt, weil ein 2 mtr. und
dazu noch kräftiger Kerl zu mir sagte, ich hätte
doch gerade mal ein paar Kilo weniger als er.

Das war ein Scherz – das war klar.
Das war alles andere als realistisch. Vom Kopf her konnte
ich das sehen – aber es fühlte sich anders an. Ich bin
gerade untergewichtig, bin um einiges kleiner als der Typ,
bin dürr. Trotzdem hat es mich tief getroffen.

Natürlich ist gerade – alles was mit Gewicht und Körper
zu tun hat bei mir ein enormer Unsicherheitsfaktor. Aber
ähnlich reagiere ich auf solche Sätze wie:

-du bist egoistisch
-du denkst nur an dich
-du bist rücksichtslos
-du bist empfindlich
oder man muss dich mit Samthandschuhen anpacken
-du bist untolerant
-du bist nervend/störst
-schwer zu ertragen
-anstrengend
-du bist verschwenderisch
-du bist launisch
-etc etc.

Die Liste ist unendlich lang. All diese Sätze
lösen in mir viel zu viel aus, obwohl ich mich
doch von einigen Punkten (nicht allen) abgrenzen
könnte. :crazy: Und sie mit einem einfachen
„stimmt nicht“ abtun könnte.

Okay – meine Therapeutin nennt es Unsicherheit im
Selbstbild – ich nenne es (In-)Stabilität.
Aber kommt auf das selbe raus.

und auf der anderen Seite – und weil ich all
diese Negativbetitelungen schon viel zu lange
in mich aufgesogen habe, lass ich positive
Beschreibungen erst garnicht an mich heran.

Dazu denke ich immer wieder, wenn jemand zum
Beispiel sagt, du bist total locker und dir
kann man auch mal was sagen, ohne dass du
gleich austickst….. „jaja…. der kennt mich nicht.“

Würde er mich kennen – würde er das nicht sagen.

Soweit also mein Therapieziel.

Das mit dem Alleinsein klappt ganz gut. Das mit
dem Essen auch – das zunehmen kommt schon wieder :lalala:
und die Gesellschaft, mit der ich mich umgebe,
die wird gerade auch fein säuberlich aussortiert,
nach dem Maßstab: „Der Kontakt tut mir gut“ und
„der kontakt tut mir nicht gut“.

Wie ich schon sagte: Positive Menschen – solche,
die mich anstecken – oder auch solche, die ich
anstecken kann, sind gerne gesehen – alles andere
– weg damit. ;D

Ein bißchen Werbung

einmal für meinen neuen Design-Berater 🙂
Danke an Markus-Messerer, der sich hier die Mühe gemacht hat
und mir den tollen Header und den beschrifteten
Hintergrund überarbeitet hat. 🙂

Okay…. wir sind noch nicht ganz fertig…
der Hintergrund wird evtl. wieder etwas dunkler,
damit sich die rote Schrift etwas absetzt.

Der macht das übrigens sehr gerne in seiner
Freizeit – wenn also jemand mal sein Design
überarbeitet haben möchte *flöt* oder eine
entsprechende Beratung braucht – wisst ihr
ja jetzt wohin ihr euch wendet könnt 😛

zum anderen möchte ich euch auf die neue?!
Borderline-Gruppe von kratzbuerste hinweisen.

Ihr habt ja sicherlich schon meine Serie zur
Spannungsreduktion hier bemerkt. Vielleicht möchtet
ihr ja auch die anderen Einträge nicht verpassen 🙂

Erstmal einen schönen Dienstag – für mich gehts gleich
wieder zur Therapie – ich lass mich sicherlich später
nochmal hier blicken. Jetzt muss ich düsen. :wave:

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Edit: Nix ist mit Therapie – Bus verpasst XX(

Edit 2: Soooooo…. den Hintergrund ein bißchen dunkler
und die rote Schrift ist auch wieder gut lesbar. Jetzt
ist es perfekt. :lalala:

Ein neues Leben

Am 25. Februar wurde ich aus der Klinik entlassen.
Mit jeder Menge Angst und Unsicherheit im Gepäck.
Auf die Frage, was mir der Aufenthalt dort gebracht
hat, dieses Mal – hatte ich nicht unbedingt eine
zufrieden stellende Antwort.

Ich hab meinen Aufenthalt dort als Flucht gesehen.
Raus aus einer Situation, die ich nicht mehr aushalte.
Ich hab damit meine eigene Hilflosigkeit noch unterstützt.
Hatte ich mich vorher doch total gehen lassen. Da war
der Gedanke: „Sperrt mich bitte weg – zum Schutz
für mich selbst und zum Schutz für anderen“.

Weil ich es nicht mehr geschafft habe, mich um mich selbst
zu kümmern, hab ich die Klinik genutzt. Dort waren Pfleger,
Ärzte, Mitpatienten – für die es sich zu kümmern und leben
gelohnt hat. Einen Käfig, den ich brauchte. Klingt seltsam oder?

Aber mein Hauptgedanke – nach der Trennung war. Wenn
niemand mehr an dich denkt – wenn du keinem mehr wichtig
bist – dich niemand liebt – dann bist du auch nicht wichtig.
Dann hast du keinen Sinn und Zweck mehr im Leben.

Was haben die Ärzte und Pfleger auf mich eingeredet, dass
ich mir wichtig sein sollte. :-/ – aber das reichte mir nicht.

Auch meine Mutter und mein Ex-Mann, die immer für mich
da waren, reichten mir nicht. Das was ich wollte – die Art
von Wichtigkeit, die ich haben wollte, hab ich nur in einer
Partner- und Liebesbeziehung gesehen.

Aber als eine Patientin nach einem Gespräch sagte:
Danke, dass du da bist …. da konnte ich mich für eine
Weile wieder als Wichtig und als jemand der gebraucht wird
empfinden.

Und dann war da noch die Essstörung, die sich ein wenig
mehr manifestierte. Hungern – Sport – Kalorien verbrennen.
Abnehmen – nicht zunehmen wollen.

Jetzt die letzten Tage wird mir aber mehr und mehr bewusst,
dass mein Aufenthalt dort mehr als eine Flucht war und ich
doch wider Erwarten einiges mitgenommen habe.

Ich hab den Alkohol aus meinem Leben ziemlich gestrichen.
Es beginnt eine Selektion meines Umfeldes. Die Suche nach
einem neuen, gesünderen Freundeskreis. Gegen die Essstörung
arbeite ich – zwar mit sehr viel Kontrolle, aber meine Gedanken
sind nicht mehr essgestört, wie mir auch die Therapeutin im
Nachgespräch bestätigte – im Gegenteil. Ich setz mich damit
auseinander zuzunehmen…. ich will zunehmen. Dieses magere
Klappergestell – bin ich nicht. Selbst gegen die Meinung anderer,
kann ich meinen gesunden Gedanken behaupten, wenn sie mir
Komplimente machen – wie schlank ich jetzt bin.

Am liebsten würde ich jedem direkt meine Meinung sagen, und sie
darauf hinweisen, dass ich im Untergewicht stecke – und dass das,
was ihnen gerade so super gefällt an mir – krank und ungesund ist. >:-[

Aber daran sehe ich, dass ich mich davon nicht mehr beeinflussen lasse.

Die Leute, die sich wirklich um mich sorgen – sagen mir eher solche
Sätze wie: „Jetzt nimm aber mal wieder zu. Du siehst schrecklich aus.“

Mein wieder gewonnenes Interesse an Sport nehme ich auch mit
aus der Klinik. 🙂 – ich geniesse das Gefühl konditionell und körperlich
wieder in Form zu sein. Ich entwickle Spaß an der Bewegung.

Und was wohl der wichtigste Punkt ist, den ich wieder mitgenommen
habe aus meinem Aufenthalt: Ein positiveres Selbstbild. Ich hatte mich
verloren, wusste nicht mehr wer oder was ich bin. und wenn ich vor
der Klinik etwas hätte benennen sollen, so wären es keine positiven
Eigenschaften gewesen. Aber jetzt blitzen hier und da mal kleine
nette Dinge auf, die ich an mir wahrnehme und wieder mögen kann.
Und mich damit ein bisschen weniger hassen kann.

Auch diese Perspektiven-Losigkeit (gibt es das Wort?) ist nicht mehr
vorhanden. Neuanfang ist das Stichwort. So kann ich sogar meine
Kündigung als etwas wichtiges betrachten.

Der letzte Punkt – von dem ich angenommen habe, ich könne ihn
nicht in der Klinik lernen – nämlich das alleine sein – macht mir
auch nach und nach keine Schwierigkeiten mehr.

Ich lerne gerade unheimlich viel. Nach Jahren des Stehenbleibens,
passiert wieder was. Entwicklung. Und zwar so krass, dass ich
es sehr bewusst wahrnehmen kann.

Und das Singelleben? Irgendwie hat es auch seinen Reiz.
Und es hat etwas befreiendes. Niemand, der mir meine
hart erkämpfen Selbstwert-Stützen wegreißt. Niemand,
an dem du dich verbiegst und auf negative Art und Weise
veränderst. Keine emotionale Abhängigkeit. Mir fängt es
an zu gefallen.

Menschen wie diese…..

Es war ein voller Tag und ein guter Tag gestern.

Es bekam mit meinem Nachsorge-Klinikgespräch.
Ich war aufgrund der Vorfälle nicht
gerade in der positivsten Stimmung.

Aber dies Therapeutin überrascht mich immer wieder
mit Gedanken und Sätzen, die mich entlasten.
So auch gestern.

Ich sprach über das, was einzelne so über mich
erzählen. Man müßte mich in Watte packen. Ich wäre
sehr schwierig, kompliziert, empfindlich.

Alles Eindrücke, die mir kein einziger meiner
Klinik-Mitpatienten, Therapeuten, Ärtze und Pfleger
nur ansatzweise bestätigt hätte.

Eine völlig andere Beschreibung meiner Person.

Aber eine, die ich verinnerlicht habe. Das Feedback
meiner Klinikgenossen – dass durchweg positiv war…
löst bei mir nur den Gegenimpuls aus zu denken: Jaja,
ihr kennt mich ja auch nicht WIRKLICH! Ich bin ein Monster.
Weil ich es aufgesogen habe. Weil es Menschen gibt, die mir
damit immer wieder einen reinwürgen. Die mich dazu auffordern,
die Schuld bei mir zu suchen. Wie einfach für diese Menschen.
Damit sind sie an aller Schuld befreit.

Sie ließ mich darüber nachdenken – was das für
Menschen sind, die in mir das sehen. Sie fragte
mich, ob ich mir vorstellen könnte, dass es evtl.
daran liegen würde, dass diese Menschen gerade
schwierig und kompliziert, ja empfindlich seien.

Sie gab mir Rückmeldung über mich und mein Verhalten
in der Gruppe. Sie meldete mir, ich sei sogar recht
souverän und sicher auch in Konfliktsituationen gewesen.
Ich hätte mich durchaus gut abgrenzen können und die
Aggression beim anderen belassen. Natürlich gäbe es da
wunde Punkte – aber die hätte ein jeder.

Noch während des Gesprächs dachte ich über die Reaktion
des Typen – vorgestern in der Kneipe nach, die ich überhaupt
nicht verstanden habe.

Ich sei empfindlich. Aber ist der andere nicht auch
empfindlich, wenn er mit Aggression reagiert? Nur weil
bei mir momentan die Traurigkeit und Enttäuschung noch
im Vordergrund steht, bin ich nicht empfindlicher als
diese Menschen. Einzig die Ausdrucksform ist eine andere.

ER mußte vorgestern in irgendeiner Weise empfindlich
ja getroffen gewesen sein. Sonst hätte er sich nicht
so aufgeregt.

Irgendeinen wunden Punkt hatte ich bei ihm getroffen.

Genau den selben Gedankenimpuls gab sie mir zu meiner Mutter.
Diese behauptet ja immer – sie könne mir nicht alles sagen.
Ich verstehe es auch nicht, weil ich für meinen Teil den
Kontakt mittlerweile sehr unbelastend empfinde, obwohl
meine Mutter auch aggressive Impulse mittlerweile dosiert
nach außen abgibt, aber dazu hatte ich sie ja schonmal
am Telefon gefragt, warum sie meint, sie müsse sich bei
mir zurücknehmen.

Naja sie antwortet dazu…. dass sie hin und wieder schon
gewisse Aggressionen rauslassen würde, wenn sie mich nicht
so empfindlich darin empfände.

Ehrlich gesagt…. wieso hat sie diese Aggression mir gegenüber
überhaupt? Ich finde es selbstverständlich, dass man Rücksicht
auf Menschen nimmt und freundlich zu ihnen ist. Ich finde es
nicht fair, meine Aggression an anderen auszulassen.
Ich habe danach garkein Bedürfnis (zumindest so lange, wie
man mich nicht böse verletzt)

Es stellt für mich auch keine große Schwierigkeit dar,
Rücksicht auf gewisse Wunde punkte zu nehmen, vorausgesetzt
ich kenne diese und es ist mir wichtig, diesen Menschen nicht
zu verletzen. Im Gegensatz zu diesen anderen Personen, habe ich
dann nicht das Gefühl, ich müsse mich deswegen besonders
verstellen. Ehrlich gesagt finde ich das selbstverständlich.

Jedenfalls ging ich aus diesem Gespräch äußerst positiv
gestimmt. Sie gab mir noch mit auf den Weg – ich solle mir
dringend – diese positiven Menschen suchen. Sie würde
immer noch sagen – mein Umfeld sei einfach das falsche.

Danach hab ich mich auf Station blicken lassen. Oh es
war so schön all die alten Köppe da wiederzutreffen.
Ich hab sicher 2 bis 3 Stunden noch dort verbracht.
So lange, bis deren Therapieanwendungen bekannen und
wir haben super schöne Gespräche geführt. Es war toll
auch bei gewissen Patienten die Erfolge zu sehen. 🙂

Erwähenswert war auch noch meine Busfahrt zurück.
Der Fahrer musste wohl in seinem früheren Job Animateur
gewesen sein, weil er uns die ganze Busfahrt über Mikrofon
unterhielt – jeden persönlich begrüsste und verabschiedete.
Er verbreitete so eine positive Stimmung – dass mich meine
Gedanken zu dem Gespräch weiter führten und ich zu der
Einsicht kam. Ja – solche Menschen, die brauche ich.
Positive nette und freundliche Menschen. Menschen, die
Menschen mögen.

Am Abend dann Schnupperkurs Capoeira. Wooouuuhhh… das
ganze ging zwei Stunden. Es fing an mit der Geschichte
dieses tollen Sports. Dann fing er an mit uns brasilianische
Lieder zu singen :crazy: – aber ich fand es auch lustig.
Und ich bin ja auch jemand der gerne trällert.
Es stimmte auf den Tanz ein. Und dann ging es los.

Tanzen, Fallen, Kampfsportelemente, Drehungen, leichte
Bodenturn-einlagen – wie Radschlagen oder Handstand.
Bodenrollen, Der Grundschritt des Capoeira – ausgeweitet
mit einigen kleinen Choreografien.

Die Bewegungsabläufe waren teilweise schon recht schwierig,
aber dafür, dass ich das erste Mal da war – und die anderen
alle schon ihre 5 mal Training hinter sich hatten, war ich
wirklich gut dabei – und nach Rücksprache mit dem Trainer,
werd ich wohl auch direkt in den Fortgeschrittenen Kurs
gehen können – der in zwei Wochen startet. :lalala:

ich war gestern erst gegen 22 Uhr zu Hause.
Ich war platt und erschöpft – aber super zufrieden.

Das Ende

meiner Klinikzeit rückt nun in unmittelbare Nähe.
Ab Donnerstag bin ich wieder zu Hause … und starte
auch direkt mit liebem Blogbesuch. :lalala:

Das macht es bestimmt die ersten Tage etwas leichter.

Einige Pläne für die Zeit danach sind auch gefasst.
Ich hoffe, dass ich das alles so umgesetzt kriege und
damit besser zurecht komme, als die Zeit vor der Klinik.

Vor allem den Sportgedanken (ich erwähnte es ja schon)
möchte ich gerne weitertragen. Mein Favorit wäre da
Capoeira zu lernen. In Köln gibt es auch eine entsprechende
Schule dafür. Ein total geiler Sport – eine Mischung
aus Tanz und Kampfsport mit allen Elementen: Kraft, Körper-
spannung, Akrobatik, Dehnung und sehr dynamisch.

Das wär schon geil. Wen es interessiert. Das könnte dann
vielleicht mit sehr sehr viel übung irgendwann mal so aussehen 🙂

Oder zum Beispiel im Miteinander so…

Das ist überhaupt das schönste, was ich aus der Klinik
mit nach Hause nehme. Ich bin wieder fit. Ein tolles Gefühl.

Und mein Kopf? Ich wills jetzt nicht beschreien,
aber er ist klarer. Oh bitte, lass das anhalten. 🙄

Außerdem nehm ich mit ein gutes Gefühl, dass mich die
Leute dort wirklich sehr gemocht haben und ich auch
für mich überraschenderweise sehr sozial orientiert war.
Ich hab die Gesellschaft rund um die Uhr jeden Moment
genossen. Das wird mir echt fehlen. Hab schon
überlegt, ob eine WG für mich nicht das optimale wäre.

Aber erstmal sehen, wie es alleine klappt. 🙂

Ich weiß jedenfalls wo mein Problem liegt. Es fällt
mir schwer, mich um mich selbst zu kümmern, wenn ich
keine Antwort auf die Frage habe, für wen ich das tue. *seufz*

Es fällt mir leichter mit einem Partner an meiner Seite.
Und ich werde auch mit Sicherheit irgendwann wieder eine
Beziehung versuchen, aber nicht um jeden Preis. Stattdessen
stell ich fest, dass ich einiges gelernt habe aus meinen
Beziehungen und ich sowas, wie eine innere Checkliste
entwickelt habe, die jetzt öfter mal ans laufen gerät.

Das klingt zwar ziemlich rational – aber ist auch äußerst
gesund. Da steht z.B. ganz oben auf der Liste
– kein Suchtmensch mehr *never*
– auch kein Mann, der mich jetzt so dünn besonders
toll findet. Denn ich weiß, wenn ich wieder gesund
bin, werd ich auch wieder ein paar Kilo zulegen. Und
das ist völlig okay.

Die Eßstörung ist im noch da. Aber nicht mehr besonders laut.
Sie verschwindet wieder, wie mir gerade der letzte Listenpunkt
auch deutlich zeigt. Klar. Mit dem Sport werd ich auch aufpassen
müssen, aber ich weiß zumindest schonmal, welche Sportarten
zu meiner Eßstörung und welche mehr zu den Spaßfaktoren zählen.
Das ist mir sehr bewußt. Im Moment betreibe ich noch beides,
aber ich werde versuchen, das für mich schädlichere nach und
nach einzuschränken.

Also ihr lieben…
ab Donnerstag würd ich sagen, habt ihr mich wieder ein
wenig aktiver im Blog. Ich freu mich wieder auf euch. 🙂